Stammtisch der Jusos: Quo vadis, Mercaden?

Kommunalpolitik

Zum Stammtisch in lockerer Atmosphäre trafen sich die Jusos Dorsten Montagabend (29.04.2013). Ohne strenge Tagesordnung ging es um die verschiedensten lokalen politischen Themen. Am kontroversesten diskutiert wurde vor allem der Lippetor-Nachfolger.

Einig waren sich die Jusos darüber, dass es zum Neubau eines Einzelhandelszentrums keine vernünftige Alternative gibt, will man keine weiter verfallende Ruine im Norden der Dorstener Innenstadt hinnehmen. Zum ersten ist im kommunalen Bebauungsplan auf dem betreffenden Areal eine Gewerbefläche ausgezeichnet, zum zweiten gehört das Grundstück der zukünftigen Betreibergesellschaft hkm Management AG, und zum dritten sind die Formalitäten und behördlichen Verfahren soweit fortgeschritten, dass es aussichtslos wäre, wenn man sich gegen eine Realisierung stelle.

Stattdessen werden die Jusos sich auf eine kritische Begleitung des Projekts fokussieren und fordern diese auch seitens der anderen politischen Meinungsträger wie Rat und Parteien sowie der Dorstener Bürgerschaft.

Mitspracherecht bei Gebäudegestaltung nutzen!

Besonders bei der Gebäudegestaltung sollte die Stadt der mehrheitlich vertretenen Wünsche und Bedenken der Dorstenerinnen und Dorstener Rechnung tragen und in ihrem Mitspracherecht zur baulichen Gestaltung berücksichtigen. Bürgerinitiativen oder organisierte Petitionen hätten an dieser Stelle den größten Erfolg und sollten an den Rat oder den Bürgermeister herantreten. Was die bauliche Umsetzung betrifft ist öffentlich bisher lediglich bekannt, dass die Verkaufsfläche 12.500 m² betragen soll und die maximale Höhe des Gebäudes die Marke von 20 m nicht überschreiten darf. Für das Image Dorstens und der Mercaden befürworten wir Jusos eine Anbindung an den Kanal sowie Terrassen der neuen Gastronomie hin zum Wasser. Dies wäre auch im Sinne der Dorstener Tradition als alte Hansestadt an der Lippe.

Konsequenzen für den schon bestehenden Einzelhandel?!

Im Gegensatz zur baulichen Planung sind die Auswirkungen der Mercaden auf die in der Innenstadt ansässigen Einzelhändler nicht eindeutig zu prognostizieren, so die Meinung der Jusos. Nach einem in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Gutachten ist die geplante Verkaufsfläche so angelegt, dass sie keine negativen Auswirkungen auf die schon vorhandenen Händler haben soll, sondern belebend auf Dorstener City wirken und somit sogar den Umsatz steigern soll. Lediglich in den Nachbarstädte Dorstens ist ein Umsatzeinbruch von sieben Prozent bei Händlern zu erwarten, die zur jeweilig gleichen Branche gehören wie die in den Mercaden angesiedelten Geschäfte. Berichten zufolge befürwortet ebenfalls eine große Mehrheit der Dorstener Interessensgemeinschaft Altstadt (DIA) die Mercaden und glaubt an deren belebenden Effekte.

Die Jusos fragen sich dabei, wer diese positiven Vorhersagen garantiert. Schließlich war das alte Lippetor vom Angebot auch mal sehr attraktiv. Denkt man an die Zeiten zurück als noch der Supermarkt Mini-Mal, C&A wie andere Bekleidungsgeschäfte, die vielen noch bekannte Rappelkiste, Schreibwarenhändler, Apotheke, ein Italiener, die Eisdiele, der Imbiss im Untergeschoss sowie ein Bäcker dort angesiedelt waren, kann man die weit zurück liegende Attraktivität kaum bestreiten. Trotzdem ist die Entwicklung des Centers zur heutigen Ruine allgemein bekannt. Sorgen machen sich die Jusos trotz aller Gutachten und Erhebungen auch um die Innenstadt und die anderen Handelscentren in Dorsten. Es gebe zwar immer mehr Einzelhandelsangebote aber dadurch noch lange keine größere Kaufkraft in der Bevölkerung. Das führt nach Ansicht der Jusos zwangsläufig dazu, dass es zu Geschäftsaufgaben kommt. Fragt sich nur wo! Besonders im Blick haben die Jusos dabei die Konsequenzen aus einer Aufwertung des momentanen Sorgenkindes der Innenstadt, der Lippestraße, die eine Abwertung der anderen beiden Geschäftsstraßen (Recklinghäuser und Essener Straße) nach sich ziehen könnte. Seitens der Betreibergesellschaft sollte man also mit größtem Augenmerk darauf achten, welche Mieter man sich in das neue Center holt, um negative Effekte für den Dorstener Einzelhandel zu minimieren und die Vorteile, die das neue Center haben kann auch nutzt.

Öffentliche finanzielle Spätfolgen vermeiden!

Neben baulicher Gestaltung und den lokalen wirtschaftlichen Auswirkungen thematisierten die Jusos auf ihrem Stammtisch die Finanzierung und die finanzielle Zukunft der Mercaden. Die Planung des Abriss- und Bauvorhabens sowie der Erwerb des Grundstücks wurden durch Aufwendungen der hkm Management AG übernommen. Die Durchführung der beiden Schritte, Abriss des alten und Bau des neuen Centers, werden durch einen Investor und Banken in Kooperation mit der hkm gestemmt. Das Umfeld der neuen Mercaden wird durch Fördermittel des Landes NRW finanziert. Die Stadt Dorsten geht also zunächst kein finanzielles Risiko ein. Auch die Verschließung der Unterführungen sowie die Verkehrsinfrastrukturellen Veränderungen im Bereich des West- und Ostwalls wird durch die hkm finanziert. Notwendige Schallschutzmaßnahmen durch die erwartete Mehrbelastung von 2000 Fahrzeugen pro Tag werden ebenso durch den Investor getragen.

In Anbetracht der gegenwärtigen Haushaltslage der Stadt ist diese Art der Finanzierung auch die einzige mögliche, um ein solch groß angelegtes Projekt in Dorsten zu bewerkstelligen.

Eine Frage muss jedoch gestellt werden: Was passiert wenn die Mercaden nicht den Erfolg mit sich bringen wie erhofft? Wenn die Umsätze der einzelnen Händler nicht profitabel sind, Leerstände entstehen und sich irgendwann auch die Investoren zurückziehen, weil sie durch Mieteinbußen keine Renditen erzielen oder womöglich insolvent gehen, dann hätte man langfristig die heutige durch eine zukünftige Ruine ersetzt. Um dies bei einem Rückzug der Investoren zu verhindern, müsste die Stadt in die Breschen springen. Leidtragend ist dann die heute noch junge Generation, die die Suppe ausbaden müsste. „Schwarzmalerei!“, mögen einige jetzt schreien, aber hat uns nicht das alte Lippetor-Center gezeigt, dass eine solche Entwicklung durchaus eintreten kann. Von der Grundsteinlegung 1981 hat es lediglich eineinhalb Generationen überstanden. Die Stadt muss sich bei der hkm für den Fall der Fälle absichern. Sparanstrengungen wie der Haushaltsanierungsplan mit den berüchtigten 210 Sparmaßnahmen, wären eine Farce, wenn man sich im Gegenzug bei einem Großprojekt nicht absichert.

Kritische Begleitung schafft Akzeptanz!

Es bleibt abzuwarten, wie sich das neue Einkaufscenter etabliert und ob es die gewünschten positiven Effekte für Dorsten generiert. Um diese zu erzielen ist es auf jeden Fall notwendig alle möglichen Risiken ins Auge zu fassen, diese durch Erfahrung aus erfolgreichen Projekten zu minimieren und die Mercaden durch realistische Planungen gelingen zu lassen. Die kritische Begutachtung ist notwendig und richtig, genauso wie eine Mitnahme der Menschen in Dorsten. Nur so ist eine möglichst breite Akzeptanz für die Mercaden zu gewinnen.

Philip Grabowski

 
 

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